Fliesen-Wandbild in Prora gesichert

Ein sogenanntes Gutachten hatte im Vorfeld bescheinigt, dass es zerfällt, sobald es angefasst wird. Die Rede ist vom Fliesen-Wandbild „Wehrbereitschaft der Jugend“, welches der Künstler Klaus Rößler für die Oberschule „Egon Schulz“ in Prora schuf und Szenen aus dem DDR-Alltag zeigt. Tatkräftige Männer und eine Frau konnten das ca. 3,20 Meter Breite und 2,50 Meter Hohe Wandbild mit seinen 320 Fliesen mit Trennschleifer und Fingerspitzengefühl erfolgreich und ohne Zerfall retten. Wer auch immer das Gutachten erstellte, lag wohl komplett falsch in seiner Beurteilung. Was Denkmalschutz als minderwertig eingeschätzt hatten, ist ein Teil DDR Geschichte was erfolgreich durch privater Initiative vor dem Verfall gesichert wurde. Wo das Wandbild in Zukunft seinen neuen Platz findet, ist noch nicht geklärt.

Besuch in der „KdF-Seebad Rügen“ geplanten Empfangshalle

Der Dokumentationszentrum Prora e.V. lud heute zum Internationalen Museumstag zu einem kostenlosen Rundgang in die für das „KdF-Seebad Rügen“ geplante Empfangshalle ein. Doch bevor es in die heilige Halle ging, die von der NVA als Sporthalle benutzt wurde, hieß es erst mal Platz nehmen im Seminarraum. Da zahlreiche Besucher der Einladung folgten, füllte sich der Raum bis auf den letzten Stuhl. Einige der anwesenden Besucher hatten ihre Dienstzeit in Prora verbracht und schwelten in Erinnerungen. Christian Michael Schmidt, ehemals Bausoldat in der NVA und in Mukran eingesetzt, erklärte die Geschichte zum Bau der Anlage „KdF-Seebades Rügen”, den Visionen und Vorstellungen und woher der Name Prora eigentlich stammt. Der Name Prora stammt von einer bewaldeten Hügelkette.

Nach etwa 45 Minuten Vortrag ging es dann zum Besuch der geplanten Festhalle. Beschriftungen an der Wand und Markierungen auf dem Fußboden lassen bereits erahnen, dass hier zuletzt eine Sporthalle war. Heute ist die gigantische Halle in einem absoluten maroden Zustand und für Besucher gesperrt. Feuchtigkeit lässt den Boden anheben, Putz bröckelt von der Wand und Teile vom Dach fallen herunter. Wir hätten gern ein aktuelles Foto vom derzeitigen Zustand der Halle als Dokumentation der Zeitgeschichte gezeigt, aber der Eigentümer vom Block 3 hat das fotografieren dieser Halle untersagt. Geplant ist hier ein Sport- und Freizeitzentrum.

Ostsee Zeitung vom 9. August 1954

Eine alte Ostsee Zeitung vom 9. August 1954 erreichte uns die Tage per Post aus einer Stadt in der Oberlausitz. Vermutlich wurde damals schon die Ostsee Zeitung deutschlandweit gelesen. Damals war die Zeitung noch der Bezirksleitung Rostock der SED unterstellt. Sie war wohl nicht so umfangreich wie heute, denn die Zeitung bestand nur aus 4 Seiten und kostete nur 15 Pfennig. Neben Beiträgen über die damalige Sowjetregierung und der Zusammenarbeit mit der DDR, über Hamburger die ihre Kampfentschlossenheit gegen die Unterdrückung und Ausbeutung durch den Adenauerstaat beweisen, über die Kampfmonate der Neptumwerft in Rostock und deren guten Erfolge, über Beweise über USA-Atomverbrechen in Japan, bis hin zu lokalen Beiträgen wie z.B. über einen defekten Mähdrescher der Genossenschaftsbauern der LPG „Befreites Land“ in Serams. Aber auch Anzeigen waren schon Bestandteile des Blattes. So wurde in Sellin eine Praktika mit Zeiß Biotar mittels Polizei und 100,- DM Belohnung gesucht. Es macht schon Spaß in alten Zeitungen zu lesen.

Findling Schwanenstein in Lohme

Der Schwanenstein in Lohme zählt zu den Findlingen auf der Insel Rügen. Er liegt etwa 100 Meter östlich vom Hafen der Gemeinde Lohme und bringt etwa 162 Tonnen auf die Waage. Der Findling besteht aus Hammergranit und ist vermutlich mit der letzten Eiszeit von Bornholm (Dänemark) an seinen jetzigen Standort transportiert worden. Wahrscheinlich durch gefrorenes Eis hat sich im laufe der Jahre eine große und sichtbare Kluft gebildet die sich wohl bald ablösen wird.

Eine Sage beschreibt folgendes: Auf Rügen werden die Babys vom Adebar oder vom Schwan gebracht. Es versteht sich von selbst, dass es im Sommer der Adebar und im Winter der Schwan ist, der die Babys bringt und bis dahin sind die Kinder im Stein verborgen.

Mit dem Schwanenstein in Lohme ist auch eine traurige Geschichte verbunden. Wir schreiben das Jahr 1956. Es ist der 13. Februar, ein kalter Wintertag, überall Schneeverwehungen und die See ist am Ufer zugefroren. Die drei Jungen Helmut Petersen, Uwe Wassilowsky und Manfred Prewitz aus dem Kinderheim in Lohme wollen auf das Eis. Wie so oft an der Küste, ändern sich Wetterbediengen in wenigen Minuten, so auch an diesem Tag. Schlechtes Wetter kündigt sich an. Ein zunehmender Sturm lässt das Eis am Ufer brechen. Die drei Kinder erreichen das Ufer nicht mehr und klettern deshalb auf den Findling der sich etwa 30 Meter vom Ufer befindet. Der Sturm wird stärker, peitscht über das Land, wird regelrecht zum Orkan und die Wellen auf der See werden höher. Die Kinder sitzen noch immer auf dem Findling, haben Angst und hoffen auf baldige Rettung. In dem sonst so ruhigen Ort Lohme beginnt eine große Rettungsaktion. Fischer aus dem Dorf, ein Kutter des Fischkombinates Sassnitz, Sowjetische Soldaten und ein Hubschrauber aus Berlin kommt zum Einsatz. Doch all die verzweifelten Rettungsaktionen kommen nicht gegen den Sturm an. Sogar ein in Prora stationierter Panzer des Pionierzugs der Kasernierten Volkspolizei rückt aus, aber in meterhohen Schneewehen bleibt auch dieser strecken. Das Drama nimmt ein trauriges Ende.

Am Morgen des 14. Februar ist es Windstill, die See ist spiegelblank, die Sonne scheint – als wäre nichts gewesen. Doch die drei Jungs auf dem Findling sind nur noch mit Eis überzogene Körper. Erst jetzt gelingt es die drei Jungs zu bergen. Die Beerdigung findet auf dem Friedhof von Nipmerow statt. Es waren nur wenige Meter zum Findling, aber am Tag des 13. Februar unerreichbar.

Erst 39 Jahre später wurde auf Initiative von ehemaligen Kindern des Kinderheimes Lohme das Grab mit einem Grabstein versehen.

GPS: Koordinaten 54.58524,13.61194

Der Findling Schwanenstein in Lohme - 3 Kinder sind 1956 hier qualvoll ums Leben gekommen

Das Pfarrwitwenhaus Groß Zicker auf Rügen

Eines der ältesten Wohnhäuser Rügens steht in Groß Zicker im Südosten der Insel und wurde 1719/20 gebaut. Das Dach besteht aus dem typischen Baumaterial Rohr oder auch Reet genannt, ein Rohstoff der auf der Insel Rügen nachwächst. Doch wie kam es zum Bau? 1718 starb der damalige Pfarrer Johannes Cadow und hinterließ seine Frau Anna Katharina und vier Kinder. Diese Familie musste das Pfarrhaus für die nachfolgende Pastorenfamilie räumen. Die Kirchgemeinde musste zur Versorgung der Pfarrerswitwe den Bau des Pfarrwitwenhauses in Angriff nehmen. Darauf hin wurde das Pfarrwitwenhaus (schornsteinlose Rookhuus) in Groß Zicker zu errichtet. Joachim Krüger skizzierte den Bau – er war Vertreter des dänischen Königs, Amtmann von Bergen und Landvogt von Rügen. 1723 konnte die Witze Cadow mit den Kindern in das Haus einziehen.

1733 wird bereits vom schlechten Zustand des Pfarrwitwenhauses berichtet. Wegen schlechten Bauholzes und der Nässe im Herbst, wollte der damalige Pfarrer das marode Dach nicht mehr decken lassen. Ein Gutspächter von Philippshagen stellt darauf hin Stroh zur Verfügung und veranlasste weitere Baumaßnahmen. 1782 wurde das Dach mit Schilfrohr ersetzt. Von 1782 bis 1810 wohnte die letzte Pfarrwitwe Sophia Vahl im Haus. Von 1811 bis 1830 war das Pfarrwitwenhaus Schule und zugleich Wohnhaus. 1830 bekam Groß Zicker ein eigenes Schulhaus und das Pfarrwitwenhaus wurde vermietetet. Etwa 1850 bewohnt der Einlieger Johann Friedrich Christian Radvan mit seiner neunköpfigen Familie das Pfarrwitwenhaus. Bis 1984 bewohnten hier 4 Generationen der Familie das Haus. 1984 zog die letzte Bewohnerin Anna Glutsch, Tochter von Wilhelm Radvan, aus dem Pfarrwitwenhaus aus. Während dieser Zeit wurde das Pfarrwitwenhaus zu einer bekannten Sehenswürdigkeiten auf der Insel Rügen.

Pfarrwitwenhaus Groß Zicker

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