Ist die Ferieninsel Rügen durch Bauboom bedroht?

„In diesem Jahr liegt der Fokus auf den einzigartigen Naturlandschaften der Insel” heißt es auf der Website der Tourismuszentrale Rügen GmbH. Wenn es nach Visionen so mancher Investoren ginge, können Einheimische und Gäste bald nur noch durch Betonlandschaften wandern. Die Ferieninsel Rügen ist auf dem besten Wege der Verschandelung. Weg vom typischen Reetdach-Häusern und hin zu Hotels und Eigentumswohnungen mit Wellnest-Oasen und Golfplätzen. Das gern benutze Argument „Schaffung von Arbeitsplätzen“ ist jedoch eher Wunschdenken. Saisonarbeiter bestimmen vielmehr das Bild hiesiger Gastronomie und Hotelgewerbe.

Immer wieder kommen sogenannte Investoren mit absurden Bauplänen auf die Insel. Es sollte jedem klar sein, dass ein Investoren in erster Linie nur Investiert um damit Gewinne zu machen und tun das nicht aus Nächstenliebe. Und wo das große Geld lauert, wird auf Natur keine Rücksicht genommen. Leider vergessen Investoren immer wieder die Tatsache, dass Urlauber wegen der bezaubernde Landschaft und der sauberen Luft auf die Insel kommen. Die Gäste wollen Ruhe, Beschaulichkeit und ursprüngliche Nähe zur Natur. Und die Gästezahlen sind auf Rügen nicht gerade wenig, was man in den Sommerferien an den vielen Staus auf der Insel auch nachvollziehen kann. Für viele Rüganer ist bereits jetzt das Maß der Dinge erreicht. Sie wollen kein zweites Sylt auf Rügen, keine Betonlandschaften und schon gar keine Hochhäuser.

Hier mal einige Beispiele was derzeit auf der Insel Rügen so passiert.

Ehemalige Küstenfunkstelle Rügen Radio

Medical-Spa-Bereich auf dem Gelände der ehemaligen Küstenfunkstelle Rügen Radio in Lohme

Geplant ist ein Bau eines bis zu 13 Meter hohen Hotels mit 120 Zimmern und großem Medical-Spa-Bereich vor. Außerdem sollen auf dem 23 Hektar großen Areal vier Kur- und 16 Golfvillen sowie ein Ferienhaus- und ein Eigenheimgebiet um einen Kurpark herum gebaut werden. Die Bewohner von Lohme laufen Sturm. Bürgermeister Matthias Ogilvie (CDU) hat nur ein Argument für den Bau – Schaffung von Arbeitsplätzen. Doch inzwischen gibt es über 2300 Unterschriften gegen den Ferienkomplex. Die Lohmer betrachten dieses Vorhaben als einen erheblichen Eingriff in die Landschaft. Der Attraktivitätswert von Lohme geht verloren.
www.bewahrt.lohme.eu

104 Meter Hoher Wohnturm in Prora

Der Bau eines Wohnturms mit 104 Meter Höhe in Gestalt von gestapelten Büchern hinter der ehemalige KdF-Anlage ist die Version einiger Architekten, die jedoch die Realität verloren haben. Einwohner von Binz und Prora sehen diesen Unsinn als Verschandelung der Landschaft. Einheimnische betrachten diesen Turm als „Wachturm ohne Flakgeschütze“, eine Anspielung auf die ehemalige KdF-Anlage die heute zum „Flaggschiff Prora“ (hochwertige Eigentumswohnungen mit Wellnest und Gastronomie) ausgebaut wird. Selbst wenn dieser Turm als Hotel dienen würde, wäre er völlig überflüssig, weil ansässige Hotels gar nicht ausgelastet sind. Wenn es nach den Architekten ginge, wäre dieser Turm ein neues Wahrzeichen von Prora – die Mehrheit der Rüganer sehen das anders.
www.change.org/p/gemeinde-binz-nein-zum-wohnturm-in-prora

Neuer Golfplatz mit Clubhaus und Appartementhäusern bei Lancken

Weil Künstler wie Jan Josef Liefers hier zufällig auch ein Ferienhaus besitzen, muss natürlich für den gehobenen Urlauber noch ein neuer 18-Loch Golfplatz mit Clubhaus und Appartementhäusern her. Es sei allerdings auch erwähnt, dass hier Teile des ehemaligen Armeegeländes verschwinden würden. Nun sollen hier Einzelhäusern mit Eigentumswohnungen das neue Bild prägen. Ob diesen Vorhaben ein Mehrwert für Rügen darstellt ist noch fraglich. Laden wir noch mehr „Schickimicki“ ein, wird sich das eines Tages auf die Mietpreise auswirken.

Und noch ein Parkhaus für Binz

Damit noch mehr Urlauber in das im Sommer ohnehin schon überfülltes Ostseebad Binz kommen können, soll am Klünderberg ein Parkdeck mit 150 Stellflächen gebaut werden. Als zusätzliche Einnahmequelle könnte man jetzt denken, aber dem Ort geht es finanziell recht gut. Tja, und warum braucht Binz noch ein Parkhaus? Weil langsam und sicher alles aus den Nähten platzt. Übrigens, wenn Prora fertig ist, dann stehen über 20000 Betten zur Verfügung. Selbst wenn nur die Hälfte davon mit Autos kommt, so lässt dies erahnen welches Monster von Massentourismus hier geschaffen wurden. Resultat solcher Monster – breitere Straßen und weitere Kreisverkehre.

Bebauung im Außenbereich des Ostseebades Göhren

Die Akzent Waldhotel GmbH will auf einem 15.000 Quadratmeter großen Areal an der Alten Försterei 33 Bauplätze für Ein- und Zweifamilienhäuser schaffen, außerdem zwei Häuser mit jeweils acht Wohnungen. Schaffung von bezahlbaren Wohnraum, so die Begründung. Über 50 aufgebrachte Bürger sehen die landschaftliche Idylle allerdings bedroht. Ebenso wird kritisiert, dass Grundstückseigentümer zu zukünftigen Umnutzungen nie befragt worden seien. Aber in erste Linie geht es darum, dass nicht noch mehr Grün verschwindet und sich der Südosten der Insel Rügen zur Betonwüste verwandelt.

Hura, Hura die neue dreispurigen Schnellstraße B96n ist da

Mehr Hotel, mehr Ferienwohnungen, kurz um mehr Bebauung bedeutet auch zwangsläufig mehr Urlauber und mehr Autos auf der Insel. Jahrelang mussten Bewohner in Samtens mit Verkehrslärm und Abgasen leben. Nicht nur tausende PKWs fuhren durch den Ort, nein auch LKW sorgten für den perfekten Lärm. Nun ist ein Teilstück der neue B96n zwischen Altefähr und Samtens fertig und der komplette Verkehr kann über eine Schnellstraße umgeleitet werden. Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt (CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben diesem Abschnitt, natürlich mediengerecht, im Dezember 2015 freigegeben. Über 55 Millionen Euro kostete dieses Vorhaben, aber bei der Planung wurde an eines nicht gedacht – Schallschutz. Die Anwohner sind zu recht genervt – keine Schallschutzmauer, kein Flüsterasphalt. Das Verkehrslärm auch Depressionen verursachen kann, war bei der Überlegung und über 55 Millionen Euro Kosten nicht drin. Aber egal, dafür hat Rügen jetzt zwei parallele Bundesstraßen und die B96n soll 2016 weiter bis Bergen gebaut werden. Ein Thema über das man lachen und heulen könnte. Übrigens wie sagte einst Robert Koch: Eines „Tages wird der Mensch den Lärm genauso bekämpfen müssen wie Cholera und Pest.“

Fazit:

Der Bau dieser umstrittenen Schnellstraße B96n ist nur dem Massentourismus und Geldgier diverser Architekten und Investoren geschuldet. Geschuldet den oben erwähnten Bauprojekten und Veränderungen, welche die Insel Rügen langfristig kaputt machen wird. Vielleicht sollte man Flugplatz Güttin noch für A380 Flieger ausbauen, damit noch mehr Gäste die Insel besuchen können. Und ob es den Einheimischen mit 8,50 Stundenlohn und 12h Arbeitstag wirklich gut geht steht auf einem anderen Blatt. Hauptsache immer weniger Natur, breitere Straßen, mehr Autos, mehr Lärm und Stress für Einheimische und Gäste. Darüber sollte man sich mal Gedanken machen.

2 Antworten auf “Ist die Ferieninsel Rügen durch Bauboom bedroht?

  1. Ich kenne Rügen gut.
    Die Verbindung Heimat und Natur. Nichts weiteren bedarf es.
    Herr Ogilvie ist Wanderer zwischen den Welten, las ich hier irgendwo.
    Soll er doch wandern – am besten dahin – wo er hergekommen ist. Und Frieden ist wieder.

  2. ganz wichtige kommentare. emoticons und gruselig. was wollt ihr dagegen tun?

    was habt ihr dagegen getan, dass eine straße erwartungen weckt, die jetzt in die tat umgesetzt wird. oder glaubt ihr, 120 millionen euro für eine brücke und bisher über 80 mille für eine halbfertige straße, der preis war für die gesamte trassenführung bis bergen kalkuliert, schreien nicht nach weiteren investitionen? woher soll die rendite kommen? auch die pumpen am scharpitzer trog können wegen des baugrundes nicht, wie geplant, abgeschaltet werden. weitere betriebskosten. und die ehmalige b96 wird nach der letzten sanierung kreisstraße.

    wer eine straße in ein gewerbegebiet baut, möchte auch nicht nur eine beleuchtete kuhweide sondern gewerbe und industrie dort ansiedeln.mwie ist das mit rügen? hafen in göhren und weiterer schwachsinn wie ein yachtresidenz vor einem großen hafen in sassnitz. alles reine immobilien-renditeprojekte. nix wirtschaftliches.

    erste rufe nach der straßenverlängerung rund um bergen, durch die allee strüßendorf und dann nach sassnitz – nur wie? – sind schon lange laut.

    das nächste großbaugebiet ist der bug, der eben verkauft wird. mal wieder. 2000 betten.

    prora, bei 7000€ den quadratmeter. was meint ihr, wie lange solche preise stillhalten lassen. naturschutz? haha… der landkris verkauft jetzt block fünf und knickt sowieso ein, sobald jemand der CDU mit geld winkt. auch andere politiker nehme ich da kaum aus….

    auf wittow sind die letzten jahre rund 4000 betten in kleinen, von der statistik nicht erfassten einrichtungen errichtet worden. ferienwohnungen. somit ist rügen vmtl. viel näher an den vereinbarten 60.000 betten dran, als man denkt.

    und? bleibt es dabei? oder denkt wieder jemand, jetzt haben doch alle anderen, jetzt wollen wir endlich auch. mal. egal was.

    ich erinnere an glowe und den plan, ein delphinarium zu bauen. fremdinvestiert und klar, just zu der zwit, als andere ihre inrichtungen wegen mangelnder akzeptanz schlossen. glowe??? nur her damit. haben wollen..

    also, was macht jedeR einzelne dagegen und was lässt sich noch tun. auch im kleinen. es sind nämlich am ende die bewohner der insel, die es ermöglichen oder verhindern. nicht umsonst sagte in ogilvie mal zu mir „ohne solche wie mich wäre die insel schon zehn jahre weiter.. “ da hatte er die pläne für lohme schon in auftrag gegeben. nur den bürgermeistertitel hatte er damals noch nicht.

    also?

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