Kommentar: Insel Rügen und das schnelle Geld

Ehemalige Küstenfunkstelle Rügen Radio

Urlaub – für viele der Inbegriff für Erholung, Ruhe genießen, Sonne tanken, den Alltagsfrust mal vergessen, den Großstadtlärm zu entfliehen, mit der Familie gemeinsame schöne Tage verbringen. Warum nicht den Sommerurlaub mit den Kindern auf der größten Insel Deutschlands verbringen – also ab auf die Insel Rügen. Viele Urlauber werden jedoch ganz schnell spüren was Massentourismus bedeutet.

Es ist mal wieder Zeit um mit dem Finger auf gierige Investoren, Bauherren, Gemeinden und Bürgermeister zu zeigen die durch ihre Vorhaben und Genehmigungen den Massentourismus begünstigen und die Insel in den Wahnsinn treiben. Überall auf Insel Rügen sind neue Bauprojekte in Form von Hotels, Ferienwohnhäuser, Eigentumswohnungen, Wellnest oder Medical-Spa-Bereiche geplant. Jeder Investor möchte vom Kuchen des Tourismus etwas abhaben. Mit den Standard-Argument wie „es bestehe Bedarf“ oder „schafft Arbeitsplätze“ werden großflächige Naturverschandelungen als Grund für Bauvorhaben grundsätzlich vorgeschoben. Tourismusminister Harry Glawe (CDU) ist der Mann der sagte „Rügen wird das neue Sylt” und macht sich mit dieser Aussage bei den Insulanern recht unbeliebt. Nein Herr Harry Glawe, die Insulaner wollen eben kein neues Sylt!

Das Resultat solcher irrsinnigen Bauprojekte sind lange Blechkolonnen auf den Straßen in den Urlaubsmonaten. Beispiel sei hier Lancken-Granitz erwähnt, wo die Bewohner des Ortes nicht mal mehr vernünftig auf die andere Straßenseite kommen – jetzt muss hier extra eine Ampel gebaut werden! Aber auch der Bau der Schnellstraße B96n ist ein Ergebnis von Massentourismus und vollen Straßen. Rambin und Samtens mussten über Jahre hinweg mit Autolärm leiden. In Rambin musste man über die Straße rennen um sie überhaupt zu überqueren. Das beim Bau der B96n noch mehr Unsinn veranstaltet wurde, steht auf einem anderen Blatt. Die meisten Straßen der Insel Rügen sind für die Millionen Fahrzeuge der Urlauber nicht geschaffen. An der Kreuzung B196 und L29 in Richtung Binz muss ein Kreisverkehr gebaut werden, weil lange Autoschlangen zu Megastaus und immer wieder zu Unfällen führen. Lasst uns doch gleich eine Autobahn bis Kap Arkona bauen.

Muss der einheimische Inselbürger irgendwelche Termine war nehmen, steht er im Stau und kommt nur noch mit Verspätungen am Ziel an. Ganz abgesehen von der Parkplatzsuche bei Einkaufsmärkten, Schlange stehen bei der Tankstelle und nicht zu vergessen das Rettungskräfte nicht schnell genug am Einsatzort ankommen. Touristen kommen wie Bienen in Scharren auf die Insel Rügen und möchten ihren Urlaub verbringen – logisch wenn Ferien sind. In den Sommerferien gleichen die Straßen einem Herzinfarkt. Die Strände sind voll mit Strandkörben, bunten Decken, Windschützer und Strandzelten – Romantik und Ruhe sieht irgendwie anders aus. Und weil wir so eine schöne ruhige Idylle auf der Insel Rügen haben, brauchen wir unbedingt noch mehr Betten für Touristen.

Natürlich braucht Insel Rügen den Tourismus – keine Frage. Der Tourismus ist der Motor der Insel und ist Arbeitsplatz für die Einheimischen. Allerdings kann man ein Glas auch nur solange mit Wasser füllen bis es überläuft. Und genau dieser Zustand stellt sich langsam hier auf Rügen ein.

Ob Prora, Wittow, Glowe oder Lohme, den Gemeinden und Bürgermeister scheint die Lebensqualitäten der Einheimischen nicht zu interessieren. Und so soll noch manch ruhiger Ort auf der Insel zur Massenabfertigung von Touristen umgestaltet werden – fast schon vergleichbar mit Massentierhaltung. Und solange es keine Obergrenzen in den Gemeinden gibt, wird sich die Insel in Richtung „Sylt“ bewegen. Nun ja – schönen Urlaub!!!

Einen ersten Sieg konnte die Bürger der Insel Rügen aber schon verzeichnen. Ein geplanter 104 Meter Hoher Wohnturm in Prora ist vom Tisch. So mancher Architekt hatte hier die Realität verloren. Ein Bürgerentscheid konnte diesen Unsinn rechtzeitig stoppen. Danke an die Binzer! Leider geht die Verschandelung der Natur dafür in vielen anderen Gemeinden munter weiter. Wo auch immer es geht wird gebaut. Leider zum Nachteil des Landschaftsbildes. Und so entstehen vielerorts potthässliche Bauten die mit der typischen Bäderarchitektur im Norden rein gar nichts zu tun haben.

Nicht vom Tisch ist leider der geballte Unsinn vom Medical-Spa-Bereich auf dem Gelände der ehemaligen Küstenfunkstelle Rügen Radio in Lohme. Die Bewohner von Lohme laufen Sturm. Bürgermeister Matthias Ogilvie (CDU) hat nur ein Argument für den Bau – Schaffung von Arbeitsplätzen in der schrumpfenden Gemeinde. Wem interessiert schon der Attraktivitätswert der Gemeinde Lohme! Was spricht dagegen das Gelände der ehemaligen Küstenfunkstelle Rügen Radio wieder der Natur zu übergeben?

Das die geplanten Bauvorhaben auch voll in die Hose gehen können, zeigte das Beispiel im Ort Neddesitz. Dort steht seit 1998 eine der größten Ferienanlagen Rügens, das „Precise Resorts” mit 700 Betten. Doch die Wellness-Einrichtung hat offenbar nicht genügend Touristen angelockt – im März 2014 war das Unternehmen insolvent. Es ist eine Tatsache, viele Rüganer und auch Urlauber haben die „schnauzte“ voll vom Massentourismus. Insel Rügen gleicht in den Urlaubsmonaten einen Herzinfarkt. Rüganer, Urlauber und Politiker sollten viel mehr tun als nur Reden. Es ist 5 Minuten nach 12, denn 5 Minuten vor 12 wurde bereits verpasst!

Übrigens, 2017 sind Bundestagswahlen. MV ist das Land was überwiegend CDU wählt. Tourismusminister Harry Glawe ist CDU. Lohmes Bürgermeister Matthias Ogilvie ist CDU. Alles Leute, die den Bauwahn auf der Insel Rügen unterstützen. Heißt, wenn ihr CDU wählt, dann wählt ihr auch ein neues Sylt auf der Insel Rügen!

Auf ein Wort – Änderungen vorbehalten

Kommentar auf „Kommentar: Insel Rügen und das schnelle Geld

  1. Mein Mann und ich machten neulich Urlaub auf Rügen. Das Rügen die größte Insel Deutschlands ist, war mir bislang fremd. Ein Bekannter hat uns diesen Tipp gegeben und wir wollten was neues ausprobieren. Glücklicherweise wurden wir im Internet schnell fündig.

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