Lohme: Protest gegen Massentourismus mit Wellness-Hotel

„können wir abbrechen kurz”, so die letzten Worte von Bürgermeister Matthias Ogilvie (aus dem Rheinland stammende Kommunalpolitiker) in einem kürzlichen NDR-Interview. Doch worum geht es? In dem kleinen jahrhundertealten ehemaligen und etwa 1.370 ha großen Fischerdorf Lohme, wo einst über 1000 Einwohner wohnten, sind es heute nur noch wenige hunderte Einwohner – 451 um genau zu sein, jedenfalls auf der Website der Gemeinde Lohme angegeben. Nun plant ein Investor auf dem ehemaligen Rügen-Radio-Gelände eine hochmoderne Medical-Spa-Anlage mit Ferienhäusern sowie Kurpark mit etwa 500 Betten. Die Gesamtfläche beträgt etwa 32 Fußballfelder.

Die Bewohner von Lohme finden das gar nicht so toll. Mit einem Paukenschlag kommt eine riesige Anlage in ihr idyllisches Dorf. Ein großer Teil wird regelrecht mit Beton und Asphalt platt gemacht. Eigentlich war im Lohme auf dem alten Grundstück vom Kinderheim eine Ferienanlage geplant. Jedoch seit 1998 ist das Gelände dem Verfall ausgesetzt. Man konnte sich wohl mit dem Besitzer nicht einigen. Nun soll auf dem ehemaligen Rügen-Radio-Gelände gebaut werden.

Bürgermeister Matthias Ogilvie gefällt dieses Idee sehr gut und steht voll und ganz hinter dem Projekt. Das hier jedoch ein erheblicher Eingriff in die Natur vorgenommen wird, interessiert Bürgermeister Matthias Ogilvie nicht. „Die Natur ist nicht entfernt in dem Maße ausreichende Anziehungskraft wie das dargestellt wird. Die ist sehr schön das sie dar ist, wenn man sie aber nicht nutzt, durch entsprechende Angebote, zum Beispiel durch das Golfhotel, zum Beispiel durch das Medical-Spa, bringt die Natur auch keine Gäste” so Matthias Ogilvie gegenüber NDR. Würde es nach Bürgermeister Matthias Ogilvie gehen, dann könnte die Anlage noch größer werden. Sein Hauptargument sind neue Arbeitsplätze und wieder mehr Einwohner schaffen. Gegenüber dem NDR sagte Bürgermeister Matthias Ogilvie weiterhin: „Wir machen Angebote und dann hoffen wir, dass die Gäste kommen. Wir erwarten das sogar”.

Ein ähnliches Projekt, wie zum Beispiel das Precise Resort Rügen mit 700 Betten und 90 Arbeitsplätzen, musste Anfang 2014 in Insolvenz gehen weil das erhoffte Konzept nicht aufging. Am Ende war der Betreiber zahlungsunfähig. Bürger von Lohme glauben nicht, dass ihr Ort auch noch eine Wellnest-Hotel braucht, zumal es bereits etwa 40 Wellnest-Hotels auf der Insel Rügen gibt. Sie sagen, dass gerade die Gäste wegen der Ruhe und der schönen und unberührten Natur nach Lohme kommen. Sie sind auch der Meinung, dass man hier nur Fördergelder abgreifen möchte. Und so heißt es beim Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern: „Viele Menschen erschließen sich das Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern über gesundheitstouristische Angebote. Wellness ist der Image- und Sympathieträger für das Land in diesem Bereich. Wir wollen den Anteil der Urlauber, die bei uns etwas für ihr Wohlbefinden tun wollen, von derzeit unter 20 auf 25 Prozent steigern“, sagte Verbandsgeschäftsführer Bernd Fischer.

„Wir wollen hier nicht diesen Massentourismus wie in Binz” sagt ein Mitglied der Bürgerinitiative gegenüber dem NDR. Und auch viele Urlauber sind von den vielen Wellnest-Hotels nicht unbedingt begeistert. „Man kann sich auch erholen, ohne so einem riesen Klopper irgendwo vor der Nase zu haben”, „Lohme ist noch unberührt, und dies sollte man auch so belassen”. Eine Bürgerinitiative ist gegen den Bau und hat bereits über 2500 Unterschriften gesammelt, darunter 2/3 Bewohner aus Lohme, Nachbarn und Gäste. Bürgermeister Matthias Ogilvie ist dies jedoch völlig egal. „Wenn man Unterschriften irgendwo in der Welt sammelt, kriegt man immer Unterschriften zusammen.” Es sei eine Sache von Lohme wo etwa 400 Wahlberechtigt sind. Alle Stimmen darüber hinaus sind irrelevant. „Ich bin für die Bürger da … aber nicht für die Leute die Unterschriften gegeben haben” so Matthias Ogilvie weiter im Interview gegenüber NDR. Zum Teil sollen auch Unterschriften zurückgezogen worden sein, jedenfalls ist das die Aussage von Bürgermeister Matthias Ogilvie. Am Ende weiß Bürgermeister Matthias Ogilvie gar nicht mehr wie viel Unterschriften zurück genommen wurden und bricht das Interview mit den Worten „können wir abbrechen kurz” ab.

Wie es weiter geht ist noch offen. 2013 schwärmte Matthias Ogilvie noch von traumhaften Landschaften und vielen Golfplätzen. Dies hat er jedenfalls gegenüber der OZ vom März 2013 geäußert. Heute ist es wohl Massentourismus mit Wellness-Hotel und den daraus folgenden Blech-Lawinen durch die Landstraßen sein Traum. Da fragt man sich doch, ob bei solchen „Überkopf“-Entscheidungen die Bewohner auf der Insel Rügen überhaupt noch Mitspracherecht haben. Aber wie sagte Matthias Ogilvie einst gegenüber dem Osterholzer Kreisblatt: „ich bin ein Wanderer zwischen den Welten”.

Übrigens, der NDR-Beitrag befindet sich in der Mediathek:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/markt/Ruegen-Proteste-gegen-Wellness-Hotel,markt10202.html

Protest gegen Massentourismus mit Wellness-Hotel in Lohme

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3 Antworten auf “Lohme: Protest gegen Massentourismus mit Wellness-Hotel

  1. „Wir brechen hier jetzt ab…“ Wo habe ich das schon mal gehört? Gemeint ist ein NDR-Interview mit Bürgermeister Scharmberg zur Bebauung des Borner Holm auf dem Darß. Leider kein ‚Déjà-vu‘, sonst könnte man ja noch drüber schmunzeln. Dort ist 2011 eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung eines Areals mit zusätzlichem Hotel, Ferienwohnungen etc. entstanden, von deren Erfahrungen sicher profitiert werden könnte.

  2. Seit Jahren kommen wir nach Lohme wegen der Ruhe und Idylle!
    Arbeitsplätze ja, aber nicht zu diesem die Natur verschandelnden Preis. Vielleicht geht´s auch ein wenig kleiner!
    Falls diese Projekt auf Biegen und Brechen entsteht: Lohme, nein Danke!
    Herrn Olgivie kennen wir als Gastgeber.
    H. & G. Scharnagl, 82362 Weilheim/Bayern

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