Stadt Sassnitz stellt sich quer bei Exhumierung

Zwangsadoption, also der staatliche Eingriff in das Familienleben, war in der DDR keine Seltenheit. Zahlreiche Fälle sind bekannt, wo Kinder als Tod erklärt wurden oder von heute auf morgen einfach verschwanden. Bei einzelnen Fällen wurden Kinder schon bei der Geburt als Tod erklärt – Kindstod. Mütter haben nie die Leiche, das Grab oder auch nur den Totenschein gesehen. Die Gründe für den Menschenraub waren vielfältig. Angefangen von unliebsamen Personen bis hin zu politischen Gründen.

Ein Fall führt in die Stadt Sassnitz. Christa Steenvoorden geht zum Grab ihre Tochter auf den Friedhof in Sassnitz. Sie ist sicher, dass ihre Tochter noch lebt. Sie glaubt bis heute nicht, dass ihre Tochter damals gestorben ist. Nein, sie ist fest davon überzeugt, dass ihre Tochter bei einer anderen Familie lebt. „Es ist Menschenraub” so Frau Steenvoorden. Es ist Dezember 1977 auf Insel Rügen, Juliane Kube ist 3 1/2 Jahre alt und bei ihren Großeltern, als sie angeblich in der Badewanne ertrinkt. Frau Steenvoorden ist an diesem Tag auf einer Schulung. Das Kind wurde mittels Krankenwagen abgeholt und sei für Tot erklärt worden. Den Leichnam ihrer Tochter bekommt die Mutter nie zu sehen. Ihr wurde sogar verweigert sich von ihrer Tochter zu verabschieden, was die Mutter sehr merkwürdig fand. Vor 2 Jahren dann ein anonymer Anruf mit der Mitteilung, dass ihre Tochter lebt und sie solle nie aufhören ihre Tochter zu suchen. Nun sucht sie nach Zeugen und Dokumenten aus DDR-Zeiten. In Unterlagen stimmten Geburtsdaten nicht. Unterschriften wurden gefälscht. Die Staatsanwaltschaft Rostock teilte im Jahr 2016 mit, dass nirgendwo eine Akte zum Todesfall ihres Kindes bekannt sei. Im Jahr 2016 taucht dann doch plötzlich ein Totenschein auf, allerdings mit falschem Geburtsdatum. Liegt die Antwort nun im Grab auf dem Friedhof in Sassnitz? 2016 führte die Uni Greifswald eine Georadarmessung durch. Hier wurde jedoch kein Sarg gefunden. Der endgültige Beweis sollte eine Exhumierung liefern. Das Gericht in Greifswald stimmte einer Exhumierung zu, doch die Stadt Sassnitz stellt sich quer.

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Sorgenkind von Sassnitz – der Heimattierpark

Rügens einziger Tierpark liegt am Stadtrand von Sassnitz – ein staatlich anerkannter Erholungsort. Etwa 46 Tierarten mit 200 Exemplaren gehören zum Bestand des Heimattierparks der sich in städtischer Hand befindet. In erster Linie werden einheimische Arten wie Enten, Esel und Wildschweine gehalten, aber auch einige exotische Tiere wie Affen oder Nasenbären. Der Tierpark konnte gegenüber dem Vorjahr auch einen Besucheranstieg verzeichnen. Nun sammelt die Wählerinitiative für Sassnitz (WfS) Unterschriften für den Erhalt des Heimattierparks Sassnitz.

Ein großer Teil der Gehege ist im schlechten Zustand und müssen dringend saniert werden. Seit Jahren ist in dem 2,5 Hektar großen Gelände eine millionenschwere Neugestaltung geplant, jedoch bis heute ist nichts passiert weil Stadtvertreter das Projekt in Frage stellten. Bereits im Jahr 2011 waren für einen Umbau einer kleineren Variante etwa 695000 Euro geplant. Das Wirtschaftsministerium signalisierte jedoch der Stadt, dass dieses Geld nicht ausreichen werde – ein Förderantrag war bereits eingereicht. 2013 warteten die Stadtväter auf einen Förderbescheid von 1,6 Millionen Euro. „Ziel ist es, den Tierpark so umzugestalten, dass er sich selbst tragen kann”, so der damalige Bürgermeister Dieter Holtz (Linke) gegenüber der OZ im August 2013. Die Kosten stiegen weiter auf 2,8 Millionen Euro an und Stadtvertreter haben zweifel ob sich die Kommune das mit einem Eigenanteil von 211000 Euro überhaupt noch leisten kann. Andere wichtige komplexe Sanierungen wie zum Beispiel Grundschule sieht man als gefährdet an. Bereits in den 90er Jahren gab es Gedanken, den Tierpark aus finanziellen Gründen stillzulegen, es wurde aber immer wieder ein Weg gefunden um ihn zu erhalten.

Förderbescheid und Eigenanteile stehen bereit, aber dennoch kein Start, weil wiederum kein Betreiberkonzept vorlag. Im Dezember 2014 beschloss die Stadtvertretung das ein Betreiberkonzept erstellt werden müsse. Bis Dezember 2015 hatten es die Verantwortlichen der Stadtverwaltung jedoch nicht geschafft solch ein Betreiberkonzept vorzulegen. Auf Anfrage bei der Wirtschaftsförderung Sassnitz, warum nach einem Jahr kein Betreiberkonzept vorlag, teilte Herr Leon Kräusche gegenüber RügenBlog mit: „Seit längerer Zeit wird intensiv an der Neugestaltung des Tierparks gearbeitet. Verschiedene Konzepte und Gestaltungsvarianten sind dabei entstanden. Durch die notwendige grundhafte Erneuerung und der folgenden Bewirtschaftung des Tierparks, wird der Haushalt der Stadt beeinflusst. Aus diesem Grund wird abschließend durch die Stadtvertretung auf Basis eines Betreiberkonzeptes im März über die Sanierung entschieden. Entsprechend der Entscheidung wird die Stadtverwaltung kurzfristig die weiteren Schritte einleiten.” Eine zusätzliche Anfrage an den Bürgermeister Frank Kracht (Linke) der Stadt Sassnitz blieb bis heute unbeantwortet.

Jetzt 2016 wurde dieses Betreiberkonzept endlich vorgelegt und Stadtvertreter sollen im März in einer Sondersitzung darüber abstimmen. Auf der Grundlage dieses Konzeptes wollen die Kommunalpolitiker entscheiden, ob das Vorhaben gestoppt wird oder nicht. Eine endgültige Entscheidung zum Tierpark-Projekt steht somit noch aus. Mit der Unterschriftensammlung wolle sich die Wählerinitiative für Sassnitz (WfS) für die Zustimmung und für eine Neugestaltung aussprechen. Aktuell sind nach eigenen Angaben der WfS etwa 1000 Unterschriften zusammen gekommen. Wird hier nichts unternommen bzw. die Neugestaltung nicht durchgeführt, könnte dies zu einer Schließung des Tierparks führen. Der Tierpark würde nicht mehr den heutigen EU-Zoorichtlinie entsprechen.

Tierpark Sassnitz

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