Fliesen-Wandbild in Prora gesichert

Ein sogenanntes Gutachten hatte im Vorfeld bescheinigt, dass es zerfällt, sobald es angefasst wird. Die Rede ist vom Fliesen-Wandbild „Wehrbereitschaft der Jugend“, welches der Künstler Klaus Rößler für die Oberschule „Egon Schulz“ in Prora schuf und Szenen aus dem DDR-Alltag zeigt. Tatkräftige Männer und eine Frau konnten das ca. 3,20 Meter Breite und 2,50 Meter Hohe Wandbild mit seinen 320 Fliesen mit Trennschleifer und Fingerspitzengefühl erfolgreich und ohne Zerfall retten. Wer auch immer das Gutachten erstellte, lag wohl komplett falsch in seiner Beurteilung. Was Denkmalschutz als minderwertig eingeschätzt hatten, ist ein Teil DDR Geschichte was erfolgreich durch privater Initiative vor dem Verfall gesichert wurde. Wo das Wandbild in Zukunft seinen neuen Platz findet, ist noch nicht geklärt.

Leserbrief: Stopp der Entsorgung und Umdeutung der Geschichte

Ein Beitrag von Dr. Stefan Wolter – Initiative Denk-MAL-Prora, ehemaliger Bausoldat und Historiker:

Wie bekannt wurde, ist Ende Mai in Prora, Block IV, das 2012 unter Denkmalschutz gestellte KDL-Wachgebäude fast vollständig entkernt und zerstört worden. Es war das nunmehr letzte Gebäude des einstigen Militärstandortes Prora, das über eine weithin intakte Ausstattung aus DDR-Zeiten verfügte. Damit setzt sich fort, was in Prora offenbar System hat. Erstmals jedoch wurde gestern Strafanzeige gegen die Zerstörung der baulichen Spuren der DDR-Geschichte gestellt. Den Fall bearbeitet das Kriminalkommissariat Stralsund.

Block IV beherbergte nach dem Abzug des Panzerregiments 8 im Jahr 1964 (mit Dutzenden Panzern im Bestand, die zum Teil zur Absicherung des Mauerbaus in Berlin zum Einsatz kamen) Teile des MSR 29, ehe nach einem Umbau 1981 die berüchtigte Offiziershochschule für ausländische Kader eröffnete. Dort wurden Rekruten für befreundete Armeen, insbesondere den sozialistischen Befreiungsbewegungen, ausgebildet.

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Besuch in der „KdF-Seebad Rügen“ geplanten Empfangshalle

Der Dokumentationszentrum Prora e.V. lud heute zum Internationalen Museumstag zu einem kostenlosen Rundgang in die für das „KdF-Seebad Rügen“ geplante Empfangshalle ein. Doch bevor es in die heilige Halle ging, die von der NVA als Sporthalle benutzt wurde, hieß es erst mal Platz nehmen im Seminarraum. Da zahlreiche Besucher der Einladung folgten, füllte sich der Raum bis auf den letzten Stuhl. Einige der anwesenden Besucher hatten ihre Dienstzeit in Prora verbracht und schwelten in Erinnerungen. Christian Michael Schmidt, ehemals Bausoldat in der NVA und in Mukran eingesetzt, erklärte die Geschichte zum Bau der Anlage „KdF-Seebades Rügen”, den Visionen und Vorstellungen und woher der Name Prora eigentlich stammt. Der Name Prora stammt von einer bewaldeten Hügelkette.

Nach etwa 45 Minuten Vortrag ging es dann zum Besuch der geplanten Festhalle. Beschriftungen an der Wand und Markierungen auf dem Fußboden lassen bereits erahnen, dass hier zuletzt eine Sporthalle war. Heute ist die gigantische Halle in einem absoluten maroden Zustand und für Besucher gesperrt. Feuchtigkeit lässt den Boden anheben, Putz bröckelt von der Wand und Teile vom Dach fallen herunter. Wir hätten gern ein aktuelles Foto vom derzeitigen Zustand der Halle als Dokumentation der Zeitgeschichte gezeigt, aber der Eigentümer vom Block 3 hat das fotografieren dieser Halle untersagt. Geplant ist hier ein Sport- und Freizeitzentrum.

Kommentar: Insel Rügen und das schnelle Geld

Ehemalige Küstenfunkstelle Rügen Radio

Urlaub – für viele der Inbegriff für Erholung, Ruhe genießen, Sonne tanken, den Alltagsfrust mal vergessen, den Großstadtlärm zu entfliehen, mit der Familie gemeinsame schöne Tage verbringen. Warum nicht den Sommerurlaub mit den Kindern auf der größten Insel Deutschlands verbringen – also ab auf die Insel Rügen. Viele Urlauber werden jedoch ganz schnell spüren was Massentourismus bedeutet.

Es ist mal wieder Zeit um mit dem Finger auf gierige Investoren, Bauherren, Gemeinden und Bürgermeister zu zeigen die durch ihre Vorhaben und Genehmigungen den Massentourismus begünstigen und die Insel in den Wahnsinn treiben. Überall auf Insel Rügen sind neue Bauprojekte in Form von Hotels, Ferienwohnhäuser, Eigentumswohnungen, Wellnest oder Medical-Spa-Bereiche geplant. Jeder Investor möchte vom Kuchen des Tourismus etwas abhaben. Mit den Standard-Argument wie „es bestehe Bedarf“ oder „schafft Arbeitsplätze“ werden großflächige Naturverschandelungen als Grund für Bauvorhaben grundsätzlich vorgeschoben. Tourismusminister Harry Glawe (CDU) ist der Mann der sagte „Rügen wird das neue Sylt” und macht sich mit dieser Aussage bei den Insulanern recht unbeliebt. Nein Herr Harry Glawe, die Insulaner wollen eben kein neues Sylt!

Das Resultat solcher irrsinnigen Bauprojekte sind lange Blechkolonnen auf den Straßen in den Urlaubsmonaten. Beispiel sei hier Lancken-Granitz erwähnt, wo die Bewohner des Ortes nicht mal mehr vernünftig auf die andere Straßenseite kommen – jetzt muss hier extra eine Ampel gebaut werden! Aber auch der Bau der Schnellstraße B96n ist ein Ergebnis von Massentourismus und vollen Straßen. Rambin und Samtens mussten über Jahre hinweg mit Autolärm leiden. In Rambin musste man über die Straße rennen um sie überhaupt zu überqueren. Das beim Bau der B96n noch mehr Unsinn veranstaltet wurde, steht auf einem anderen Blatt. Die meisten Straßen der Insel Rügen sind für die Millionen Fahrzeuge der Urlauber nicht geschaffen. An der Kreuzung B196 und L29 in Richtung Binz muss ein Kreisverkehr gebaut werden, weil lange Autoschlangen zu Megastaus und immer wieder zu Unfällen führen. Lasst uns doch gleich eine Autobahn bis Kap Arkona bauen.

Muss der einheimische Inselbürger irgendwelche Termine war nehmen, steht er im Stau und kommt nur noch mit Verspätungen am Ziel an. Ganz abgesehen von der Parkplatzsuche bei Einkaufsmärkten, Schlange stehen bei der Tankstelle und nicht zu vergessen das Rettungskräfte nicht schnell genug am Einsatzort ankommen. Touristen kommen wie Bienen in Scharren auf die Insel Rügen und möchten ihren Urlaub verbringen – logisch wenn Ferien sind. In den Sommerferien gleichen die Straßen einem Herzinfarkt. Die Strände sind voll mit Strandkörben, bunten Decken, Windschützer und Strandzelten – Romantik und Ruhe sieht irgendwie anders aus. Und weil wir so eine schöne ruhige Idylle auf der Insel Rügen haben, brauchen wir unbedingt noch mehr Betten für Touristen.

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83 Prozent der Bürger lehnen Wohnturm auf Rügen ab

Am 4. September 2016 waren nicht nur Landtagswahlen in MV, sondern auch ein Bürgerentscheid im Ostseebad Binz. Fast 83 Prozent der Bürger lehnen den Bau eines Wohnturms in Prora auf Insel Rügen ab. Binzer Bürgermeister Karsten Schneider versicherte, dass die Gemeinde wie versprochen das Votum akzeptieren und keine weiteren Verkaufsverhandlungen mit dem Unternehmer durchführen werde.

Zahl der Stimmberechtigten: 4780
Zahl der Abstimmenden: 2898
Zahl der abgegebenen Stimmen: 2884
gültige Ja-Stimmen: 486
gültige Nein-Stimmen: 2398

Wohnturm Bücherturm Prora

Ist die Ferieninsel Rügen durch Bauboom bedroht?

„In diesem Jahr liegt der Fokus auf den einzigartigen Naturlandschaften der Insel” heißt es auf der Website der Tourismuszentrale Rügen GmbH. Wenn es nach Visionen so mancher Investoren ginge, können Einheimische und Gäste bald nur noch durch Betonlandschaften wandern. Die Ferieninsel Rügen ist auf dem besten Wege der Verschandelung. Weg vom typischen Reetdach-Häusern und hin zu Hotels und Eigentumswohnungen mit Wellnest-Oasen und Golfplätzen. Das gern benutze Argument „Schaffung von Arbeitsplätzen“ ist jedoch eher Wunschdenken. Saisonarbeiter bestimmen vielmehr das Bild hiesiger Gastronomie und Hotelgewerbe.

Immer wieder kommen sogenannte Investoren mit absurden Bauplänen auf die Insel. Es sollte jedem klar sein, dass ein Investoren in erster Linie nur Investiert um damit Gewinne zu machen und tun das nicht aus Nächstenliebe. Und wo das große Geld lauert, wird auf Natur keine Rücksicht genommen. Leider vergessen Investoren immer wieder die Tatsache, dass Urlauber wegen der bezaubernde Landschaft und der sauberen Luft auf die Insel kommen. Die Gäste wollen Ruhe, Beschaulichkeit und ursprüngliche Nähe zur Natur. Und die Gästezahlen sind auf Rügen nicht gerade wenig, was man in den Sommerferien an den vielen Staus auf der Insel auch nachvollziehen kann. Für viele Rüganer ist bereits jetzt das Maß der Dinge erreicht. Sie wollen kein zweites Sylt auf Rügen, keine Betonlandschaften und schon gar keine Hochhäuser.

Hier mal einige Beispiele was derzeit auf der Insel Rügen so passiert.

Ehemalige Küstenfunkstelle Rügen Radio

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Wohnturm Prora – Wahrzeichen oder Wachturm ohne Flakgeschütze?

Das Vorhaben, in Prora ein Wohnturm mit 104 Meter Höhe hinter der ehemalige KdF-Anlage zu bauen, stößt bei Einwohnern auf geteilte Meinung. Ein Turm der größer ist, als der Bahn-Tower am Potsdamer Platz in Berlin. Der Wohnturm wäre auch 20 Meter höher der Aussichtsturm des Baumwipfelpfades vom Naturerbzentrum. Die Mehrheit betrachtet das Projekt sehr skeptisch und es hagelt Kritiken in den sozialen Netzwerken. Während Befürworter von einem „Wahrzeichen“, ein Zentrum für junge Familien, eine Umwertung des durch die Nazibauten geprägten Ortes und Schaffung von Arbeitsplätzen sprechen, gibt es auf der anderen Seite harsche Kritik. Und weil an diesem Ort eben keine romantische Idylle mit Reetdachbauten existiert, wäre es eine Möglichkeit die Hinterlassenschaften der Nazi-Zeit aufzuhübschen. Man wolle dem Ort ein Gesicht geben, so Investor Breue. Das Streben in die Höhe zu bauen ist auch Ausdruck des Immobilienmarktes auf Rügen. Die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen bewegen zwischen 3600 bis 8000 Euro – das ist Münchner Niveau.

Bedingt durch die Vorgeschichte von Prora wird das Vorhaben mit einem Wachturm ohne Flakgeschütze verglichen. Prora braucht kein neues Wahrzeichen, Prora selbst ist schon das Wahrzeichen. Ebenso könnte dieses Vorhaben der Einstieg für einen unaufhaltsamen Bauboom auf der Insel Rügen bedeuten. In sozialen Netzwerken hagelt es Kritik gegen diese Vorhaben. „nicht meine Heimat kaputt machen“, „absolute Schwachsinn“, „Hochhäuser gehören da nicht hin“, „Furchtbare Vorstellung“, „der Anfang vom Ende für Rügen“ um nur ganz wenige Beispiele zu nennen. Klar ist auch, dass der Tourismus auf der Insel Rügen von der wunderschönen Landschaft lebt, nicht von Hochhäusern. Hohe Bauten bedeuteten übrigens auch einen Einschnitt in die Naturkulisse. Naturnähe sieht anders aus.

Am 12. Januar 2016 gab es zu diesem Vorhaben in Binz eine Infoveranstaltung die von rund 300 Einwohnen besucht wurde. Das Hochhaus soll 500 Meter von der Ostsee entfernt auf dem Gelände einer ehemaligen Schule entstehen. Plänen der Architekten zufolge soll der Wohnturm an aufgestapelte Bücher erinnern, was bereits im November vorgestellt wurde. Investor Jürgen Breuer bietet der Gemeinde eigenen Angaben zufolge 3,5 Millionen Euro für das 13.000 Quadratmeter große Grundstück. Ob das Vorhaben umgesetzt wird und eine Baugenehmigung erhält, ist derzeit noch unklar. Noch ist der Plan nicht genehmigt. Architektenkammer und Landestourismusverband sehen das Vorhaben ebenfalls eher skeptisch. „Es gibt keinen Grund, an der Küste ein hundert Meter hohes Hochhaus zu errichten“, sagt Verbandspräsident Joachim Brenncke. Investor Breue wolle das Vorhaben fallen lassen, wenn von der Gemeinde keine Unterstützung zu erwarten ist.

Inzwischen wurde dazu auch eine Petition gegründet:
Link zur Petition Gemeinde Binz nein zum Wohnturm in Prora

Wohnturm Bücherturm Prora

Ehemaligen KdF-Bad Prora auf Rügen bekommt Risse

Wegen maroden Stahlträgern müssen zwei Liegehallen in Block I abgerissen werden. Das ehemaligen KdF-Bad bekommt langsam Risse. Über 160 Eigentumswohnungen sind im Block I geplant. Doch langsam nagt der Zahn der Zeit an den Gebäuden und damals wurden nicht die besten Materialien verwendet, so laut Frau Susanna Misgajski, Leiterin des Prora Zentrums.

Ehemaligen KdF-Bad Prora auf Rügen

Luftaufnahme Mai 2015