Kriminalfälle am Rande des Möglichen

Blutlachen und Maden auf Leichen sind genau sein Ding – die Rede ist von Dr. Mark Benecke der am 18. Juni gemeinsam mit seiner Frau im Ostseebad Baabe einen Vortrag hielt. Bekannt ist der Kriminalbiologe aus der TV Serie Medical Detectives oder Autopsie – Mysteriöse Todesfälle. Der Veranstaltungsraum der Kurverwaltung Baabe war bis auf den letzten Stuhl gut besucht. Mitarbeiter der Kurverwaltung mussten noch zusätzliche Stühle organisieren. Etwa 300 Besucher sind der Einladung gefolgt. Und obwohl die Veranstaltung erst um 20 Uhr los ging, war der Raum 30 Minuten vorher schon fast gefüllt. Nicht nur Fans besuchten die Veranstaltung, auch Polizeiangestellte, Kriminologen und echte Ermittler waren im Publikum. Vor der eigentlichen Veranstaltung hieß es jedoch erst einmal Schlange stehen für ein Autogramm oder ein Selfie, begleitet von Ramstein Musik die aus den Lautsprechern tönte (seine Musikrichtung liegt nicht bei Schlager). Der Vegetarier Mark Benecke promovierte an der Uni Köln im Institut für Rechtsmedizin und absolvierte fachspezifische Ausbildungen in der ganzen Welt (auch beim FBI) und lebte zudem auch eine Zeit in New York. Weiterhin ist er Vizepräsident der Transsilvanischen Dracula-Gesellschaft und politisch tätig in der Kleinpartei „Die Partei“.

Thema der Veranstaltung war „Kriminalfälle am Rande des Möglichen”. Gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es erst einmal Grundlagenkurs in Sachen Wahrnehmung. Anhand von zahlreichen Beispielen aus dem Ostseebad Baabe machte er den Besuchern klar, wie wenig wir heute von der Umwelt wahrnehmen. Mittels Beispielfotos zeigte Benecke wie schnell man sich von wesentlichen Dingen ablenken lassen kann. Eine Tatsache, die bei seiner Arbeit zu fatalen Fehlern führen könnte. Den Besuchern machte er klar, dass man bei seiner Arbeit nicht Denken darf. „Kein Scherz” so Benecke, wenn man über einen Tatort denkt wie es hätte sein können, braucht man gar nicht erst anzufangen zu untersuchen. Gedanken sind von eigenen Wahrnehmung oder Empfindungen geprägt. Hier kann es schnell zu Fehlern kommen. Statt darüber nachzudenken wie z.B. das Blut auf den Boden gelangte, gilt es zu Beweisen und in Experimenten nachzustellen.

Mark Benecke bewies auch seine humorvolle Seite. So hat es dem Kriminalbiologen der „Serams Wendeplatz” angetan. „da kommt so ein kleiner Serams und läuft ständig im Kreis” so Benecke. Auch die Ortsbezeichnungen „Lancken-Granitz” fand er besonders cool. Der absolute Lacher im Saal war allerdings ein Foto vom jetzigen Kleinbahnhof Baabe. Worüber RügenBlog schon mehrfach berichte, was hier Teil des Vorprogrammes. „schaut mal her, hier haben sie sogar eine echte Ruine nachgebaut, da können die Kinder spielen” so Benecke scherzhaft über den derzeitigen Schandfleck im Ostseebad.

Anhand von echten Todesfällen ging es jedoch dann zum Kern der Veranstaltung. Der erste Fall lag schon einige Jahre zurück – Frau erstickt Freund mit ihren Brüsten. Die später überführte Mörderin habe ihrem Mann „einen schönen Tod“ bereiten wollen. Hierzu wurde untersucht, wie schnell tatsächlich ein Mann unter Brüsten bewusstlos werden kann. Mit echten Prostituieren und einem Freiwilligen ließ Mark Benecke dies in Experimenten nachstellen um zu beweisen, dass dies wirklich möglich sei. Auch wenn dieser Mord auf lustige Art und Weise dargestellt wurde, steckte dahinter immer noch wissenschaftliche Untersuchung. Und so hatte auch dieser Fall auch etwas mit dem Ertrinken im Wasser zu tun.

Während des Abends wurden weitere echte Fälle mit echten Polizeifotos besprochen. So auch die Analyse einer Tötung in einem Bordell wo auch ein aufgesetzter Schuss eine große Rolle im Fall spielte. Zwei Männer von staatlicher Figur gerieten in einen Schreit. Unter Männern wurde der Streit mittels Schusswaffe ausgetragen. Nun sitzt ein Täter im Gefängnis, gab die Tat auch zu, aber sprach von Notwehr. Ein Richter hatten den Angeklagten wegen einem aufgesetzten Schuss verurteilt. Benecke untersuchte diesen Fall und legte dem Richter seine Version zum Fall dar. Benecke konnte belegen, dass der aufgesetzte Schuss erfolgte, wo der Angreifer bereits tot war. Leider war der Richter von dieser Version nicht übersetzt und blieb bei seiner Auffassung, dass die Tötung mit Absicht erfolgte. Soll heißen, Richter noch mal umzustimmen ist in Deutschland fast nicht möglich.

Die Veranstaltung selber wurde mit einer 30 minütigen Pause getrennt. Viele nutzen die Gelegenheit um wieder Autogramme zu bekommen oder Selfies mit Benecke zu machen. Auch hatten viele Gelegenheit um ihn mal persönlich zu sprechen und die eine oder andere Frage zu stellen. In den nächsten Tagen ist Benecke dann in Sassnitz. Hier geht es dann um Insekten auf Leichen.