Sorgenkind von Sassnitz – der Heimattierpark

Rügens einziger Tierpark liegt am Stadtrand von Sassnitz – ein staatlich anerkannter Erholungsort. Etwa 46 Tierarten mit 200 Exemplaren gehören zum Bestand des Heimattierparks der sich in städtischer Hand befindet. In erster Linie werden einheimische Arten wie Enten, Esel und Wildschweine gehalten, aber auch einige exotische Tiere wie Affen oder Nasenbären. Der Tierpark konnte gegenüber dem Vorjahr auch einen Besucheranstieg verzeichnen. Nun sammelt die Wählerinitiative für Sassnitz (WfS) Unterschriften für den Erhalt des Heimattierparks Sassnitz.

Ein großer Teil der Gehege ist im schlechten Zustand und müssen dringend saniert werden. Seit Jahren ist in dem 2,5 Hektar großen Gelände eine millionenschwere Neugestaltung geplant, jedoch bis heute ist nichts passiert weil Stadtvertreter das Projekt in Frage stellten. Bereits im Jahr 2011 waren für einen Umbau einer kleineren Variante etwa 695000 Euro geplant. Das Wirtschaftsministerium signalisierte jedoch der Stadt, dass dieses Geld nicht ausreichen werde – ein Förderantrag war bereits eingereicht. 2013 warteten die Stadtväter auf einen Förderbescheid von 1,6 Millionen Euro. „Ziel ist es, den Tierpark so umzugestalten, dass er sich selbst tragen kann”, so der damalige Bürgermeister Dieter Holtz (Linke) gegenüber der OZ im August 2013. Die Kosten stiegen weiter auf 2,8 Millionen Euro an und Stadtvertreter haben zweifel ob sich die Kommune das mit einem Eigenanteil von 211000 Euro überhaupt noch leisten kann. Andere wichtige komplexe Sanierungen wie zum Beispiel Grundschule sieht man als gefährdet an. Bereits in den 90er Jahren gab es Gedanken, den Tierpark aus finanziellen Gründen stillzulegen, es wurde aber immer wieder ein Weg gefunden um ihn zu erhalten.

Förderbescheid und Eigenanteile stehen bereit, aber dennoch kein Start, weil wiederum kein Betreiberkonzept vorlag. Im Dezember 2014 beschloss die Stadtvertretung das ein Betreiberkonzept erstellt werden müsse. Bis Dezember 2015 hatten es die Verantwortlichen der Stadtverwaltung jedoch nicht geschafft solch ein Betreiberkonzept vorzulegen. Auf Anfrage bei der Wirtschaftsförderung Sassnitz, warum nach einem Jahr kein Betreiberkonzept vorlag, teilte Herr Leon Kräusche gegenüber RügenBlog mit: „Seit längerer Zeit wird intensiv an der Neugestaltung des Tierparks gearbeitet. Verschiedene Konzepte und Gestaltungsvarianten sind dabei entstanden. Durch die notwendige grundhafte Erneuerung und der folgenden Bewirtschaftung des Tierparks, wird der Haushalt der Stadt beeinflusst. Aus diesem Grund wird abschließend durch die Stadtvertretung auf Basis eines Betreiberkonzeptes im März über die Sanierung entschieden. Entsprechend der Entscheidung wird die Stadtverwaltung kurzfristig die weiteren Schritte einleiten.” Eine zusätzliche Anfrage an den Bürgermeister Frank Kracht (Linke) der Stadt Sassnitz blieb bis heute unbeantwortet.

Jetzt 2016 wurde dieses Betreiberkonzept endlich vorgelegt und Stadtvertreter sollen im März in einer Sondersitzung darüber abstimmen. Auf der Grundlage dieses Konzeptes wollen die Kommunalpolitiker entscheiden, ob das Vorhaben gestoppt wird oder nicht. Eine endgültige Entscheidung zum Tierpark-Projekt steht somit noch aus. Mit der Unterschriftensammlung wolle sich die Wählerinitiative für Sassnitz (WfS) für die Zustimmung und für eine Neugestaltung aussprechen. Aktuell sind nach eigenen Angaben der WfS etwa 1000 Unterschriften zusammen gekommen. Wird hier nichts unternommen bzw. die Neugestaltung nicht durchgeführt, könnte dies zu einer Schließung des Tierparks führen. Der Tierpark würde nicht mehr den heutigen EU-Zoorichtlinie entsprechen.

Tierpark Sassnitz

Während sich eine Seite für den Erhalt ausspricht, spricht sich eine andere Seite für eine Schließung aus.

Pro:
Befürworter sind der Meinung, der Tierpark bräuchte nur ein neues Konzept, und anstatt Gelder für touristische Erweiterungen auszugeben sollte man es lieber in den Tierpark investieren. Und gerade für Kinder bietet der Tierpark eine Form zur Allgemeinbildung und für Schulprojekte – Sassnitz hat nicht so viel zu bieten, so die Meinung der Bevölkerung.

Contra:
Die etwa 200 Tiere sollten in der Freiheit leben und nicht hinter Gittern, so die Meinung vieler Gegner. Hinzu die Meinung, dass die Gelder für den Erhalt und Pflege in der Profit-Geilen-Welt nie ausreichen werden. Früher oder später würde der Tierpark wieder auf dem Prüfstand stehen.

Wie geht es weiter mit dem Heimattierpark Sassnitz? Warum hat die Vorlage eines Betreiberkonzeptes so lange gebraucht? Fragen über Fragen!

Comments (2)

  • Sylke Schulz

    11. März 2016 at 15:30

    Der Tierpark gehört seit Jahren zu Sassnitz. Immer wieder gehen wir, meine Familie, jedes Jahr den Tierpark besuchen. Seit Jahren arbeiten die Tierpfleger da und geben ihr Bestes. Es wäre sehr schade wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Mit freundlichen Grüßen Sylke Schulz

  • objektiv8

    31. März 2016 at 12:00

    Zum Thema Tierpark in Sassnitz fehlt hier noch ein wichtiger Nachtrag. Eine grundlegende Erneuerung des Tierparkes wird es nicht geben. Die Mehrheit der Stadtvertreter haben so darüber abgestimmt. Damit der Tierpark weiter erhalten blieben kann, wird ein Rückbau erfolgen – sprich es wird nur noch eine kleiner Heimattiergarten – ein Streichelzoo.

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