Leserbrief: Erholungsort Prora

Ein Beitrag von Dr. Stefan Wolter – Initiative Denk-MAL-Prora, ehemaliger Bausoldat und Historiker:

Der Entwicklung des „Erholungsortes Prora“ wünscht die Initiative Denk-MAL-Prora alles Gute! Mögen nicht fortgesetzt Waldrodungen und Versiegelungen den Weg zum künftigen Seebad ebnen. Zudem bleibt zu hoffen, dass Politik, Medien und Gesellschaft sich auch zu jener Geschichte am historischen Ort bekennen, die fünf sanierungsfähige Blöcke hinterlassen hat. Die Ruinen in Prora-Nord und der zuletzt (2015) notwendig gewordene Abriss der beiden sog. Liegehallen von Block I verdeutlichen den Zustand der Großbauten von Prora, wären sie nicht um 1950, in stalinistischer Ära, zur Großkaserne1 ausgebaut worden. Die bauliche Schließung der Liegehallen von Block I (genutzt für das Ferienheim der NVA „Walter Ulbricht“) folgte rund 15 Jahre später als in den übrigen Blöcken. Dementsprechend waren sie maroder als in den Kasernen, wo Stabs- Lehr- und Soldatenstuben jene Abschnitte baulich verändert hatten. Diese Geschichte im Kalten Krieg ist es, die das jetzt entstehende Seebad hinter den Begriffen „Nazi-Hinterlassenschaft“ und „ehemaliges KdF-Bad“ versinken lässt: Zwar haben die Nationalsozialisten den Grundstein und 4,5 km Rohbauten erstellt, doch blieben die Gebäude unvollendet und wurden nach dem Krieg zurückgebaut und demoliert, bis schließlich 2,5 km Bausubstanz unter dem Einsatz von rund 19.000 Arbeitskräften für militärische Zwecke um- und ausgebaut wurden. Abgesehen von den Angestelltenwohnhäusern existierte die Infrastruktur, die das eigentliche Seebad ausmachen sollte, lediglich in Planungsunterlagen – ähnlich der Relation Planung/Ausführung der Welthauptstadt Germania.

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